🔴 13. November 2023 – MCAS meets Krebs – wie alles begann
Hier schreibe ich über meine Geschichte mit MCAS (Mastzellaktivierungssyndrom), Krebs, Gesundheit und mein – hoffentlich – gesundes Maß an Positivität.
September 2023: Ich hatte sehr viel zu tun im Sommer. Da ist Saison im Kletterwald, und ich liebe meine Arbeit im Kletterwald. Im Winter gibt es dann die Zeit der Einkehr. Ist ja auch relativ natürlich. Im Sommer wird gesät und geerntet, bis in die Nacht, im Winter ist es dunkel und kalt, da sind die Menschen viel zuhause. So war es zuminndest vor einigen Hundert Jahren mal. Und das ziemlich lange Zeit. Ich habe mich schon auf die dunkle Herbst- und Winterzeit gefreut, habe dabei in allen meinen Berufen gearbeitet und bin in meiner Freizeit aber auch viel gereist. In meinem kleinen Minivan, mit meinen 2 Hunden. Immer auf Wohnwagenstellplätze. Preiswert und ohne Gedöns. So wie ich es liebe.
Dann noch schnell meine restlichen Wohnungseinrichtung in einen anderen Lagerraum bringen, dann endlich Zeit für mich. Ich wollte nur mal endlich zur Vorsorge Untersuchung, denn 2 Jahre war ich nicht. Nach meinem Umzug in 2020 hatte ich noch keine Ärztin gefunden. Nun aber los.
Das erste Mal mit MCAS beim neuen Arzt 🔻
Ich hatte sogar relativ schnell eine Ärztin gefunden, musste aber dafür bis in die nächste Großstadt. Hier auf dem Land nehmen die gut bewerteten Ärzte keine neuen Patienten mehr an. Ich hatte wohl Glück, die Gemeinschaftspraxis hatte wohl gerade eine neue Ärztin mit ins Boot geholt.
In der Praxis angekommen: Sehr angenehmes Gespräch mit der Ärztin, sie nimmt mich ernst, auch mit meinem Wissen an Naturheilkunde und vor allem, sie nimmt mich mir meiner Diagnose Mastzellaktivierungs Syndrom – kurz MCAS – ernst. Sehr weit verbreitet, aber leider sehr unbekannt. In Deutschland gibt es immer noch keinen ICD Code. Nur auf der internationalen Liste. D 89.4. Die Ärztin kennt es nicht, nimmt aber interssiert alle Unterlagen an sich, die ich ihr mitgebracht habe.
Immer wieder wenn ich z.B. zur Vorsorge zu neuen Ärzten muss – nach einem Umzug normal, ich gehe sonst nicht viel zu Ärzten, ich habe mich selber behandelt und wieder in die Arbeitswelt zurück geholt! – packe ich meine Infos u.a. von der Charité und der Uni Bonn zusammen, gehe in mich und stelle mir vor, wie ich loyal, neutral und klar über MCAS berichte.
Mit MCAS erlebt man ja vieles bei Ärzten. Vor der Diagnose, wenn man es selber „nur“ vermutet sind die Kommentare der oft leider hilflosen Ärzte meist erbärmlich, schlimm aber ist: sogar mit Attest vom Leiter des Zentrum für seltene Erkrankungen der Uni Bonn wird die Diagnose in Frage gestellt. Das kennt wohl jede/r mit dieser Odyssee.
Hier aber: ich hatte Glück, ich hatte eine offene und empathische Ärztin gefunden.
Da reißt es mich aus dem Leben 🔻
Nun, ich war also „nur“ kurz zur Vorsorge, denn seit 22 Jahren war ich immer nur zur Vorsorge. Immer gesund. Es gab ein angenehmes offenes Gespräch mit der Ärztin. Dann wechseln wir den Schauplatz, ich nehme auf dem Gyn-Stuhl Platz. Ulltraschall, das Gesicht der netten empathischen Ärztin wird auf einmal sehr ernst. „Da sind große Zysten.“
In mir bricht eine Welt zusammen, ich fange an zu weinen. Die Ärztin hat mich wieder aufgebaut und Mut gemacht. Sie meinte, es kann gut sein, dass es nur Zysten sind, alles gutartig ist. Das hilft nichts. Ich weine, meine innere Ärztin wusste schon, was los ist. Die Sprechstundenhilfe nimmt mir noch Blut ab – u.a. Tumormarker, und ich fahre in Richtung nach Hause. Weinend sitze ich am Steuer, gut, ich bin in meinem Leben viel Auto gefahren, meist 20000 km / Jahr. Auch weinend kann ich Auto fahren. Es war mittag, die eh wenig genutzte Autobahn war leer.
Auf dem Weg liegt mein Lagerraum, in den ich 5 Tage zuvor alles reingeräumt hatte. Vorher waren meine Dinge (restliche Möbel, Arbeitsutensilien wie Trommeln u.a.) in einem privaten Raum, in dem es im Gemäuer wohl Bakterien gab, die mikroorganische flüchtige Stoffe (MVOC) produzieren, der muffige Geruch. MVOCs von Schimmel und Bakterien sind giftig. Dies wissen leider viele Menchen nicht. Vor allem nicht Vermieter! Also raus da, denn alle meine Sachen fingen an muffig zu riechen.
🔻 Exkurs MCAS: Wir „Mastis“ zeigen ja immer relativ zeitnah, wenn es Giftstoffe gibt. Die Mastzellen degranulieren und schütten ihre bis zu 2000 verschiedene Mediatoren aus. Dann gibt es Symptome wie Herzsrasen, Ganzkörperschmerzen, „Watte“ im Hirn, … . Wir sind sozusagen „Giftbarometer“. Der Vorteil: wir haben die Chance, unser Leben giftfrei, bzw giftarm zu gestalten. 🙂
Zurück zu meiner Vorgeschichete: Im neuen Lager hatte ich einen großen und einen kleinen Raum angemietet, da ich nicht wusste ob alles in einen Raum passt. Ich wollte im Herbst zu Flohmärkten fahren und viel verkaufen. So lange bis ich nur noch 5 qm brauche.
Ich wusste seit ca 30 Minuten innerlich schon, dass es dazu nicht kommen wird. Dass ich meine Entrümplungsaktion ein paar Monate verschieben muss. Innerlich wusste ich es schon, äusserlich habe ich immer weiter gehofft. Feli, sag ich, positiv denken! Es ist nur ein Verdacht.
Also bog ich auf dem halben Heimweg ab, fuhr in den Lagerraum. Dort hatte ich ein Wohnwagenpolster auf der Erde liegen und eine Hundebox stehen, damit die Hunde einen Platz haben, wenn ich am räumen bin. Meine Große verschwand in der Box mit tiefem Blick zu mir, meine Kleine legte sich auf das Wohnwagenpolster. Ich legte mich dazu, kuschelte mit meiner Kleinen und habe erstmal gefühlt einen halben Tag geweint.
Das innere Wissen und das äussere Positive Denken
Nein, ich habe nicht einen halben Tag geweint. Nur vl eine halbe Stunde. Dann habe ich alle meine Sachen so geräumt, dass ich alles in einen Raum bekam und so konnte glcich den kleineren Raum kündigen. Warum? Ich wusste innerlich schon, dass ich im Herbst und Winter nicht mehr dazu kommen werde, meine Dinge auf Flohmärkten zu verkaufen. Auch wenn ich immer versuche, positiv zu denken.
Die Toxische Positivität
Ich bin in den letzten Wochen immer mal auf diesen Ausdruck gestoßen: „Toxische Positivität“. Und das entspannt mich!
In den letzten Jahren wurde es immer schlimmer. Die ganze Welt meint, das wir immer alles positiv sehen müssen. „Alles hat seinen Sinn“, „wenn du es hinter dir hast, wirst du sehen, wofür es gut war“, … . Glücklich sein ist Pflichtprogramm, sonst bist du aussen vor.
Aber mal ehrlich, es gibt immer Phasen, in denen jede/r ein Tief hat. Das steht jede/m zu. In der Natur gibt es Täler und Berge, plattes Land und Höhenzüge.
Wenn du aus dem Tal heraus den Berg erzwungen hast, kannst du stolz auf dich sein.
Allerdings hast du die Wahl, ob du im Tal bleibst, oder den Berg besteigst, um dann wieder herunter und wieder herauf zu wandern. Es geht im Leben wie in der Natur immer auf und ab. Wer nun meint, die Menschen müssten immer positiv sein, positiv denken, lebt m.E. nicht wirklich in dieser reellen Welt. Oder?
Nur Positiv denken wird dann irgendwann toxisch, sie vergiftet dich, macht Druck, macht krank. Lass auch deine traurige Seite zu. Sie gehört zu einem Leben wie auch die glückliche Seite. So wie auch in der Chinesischen Philosophie: Yin und Yang
Weine und hab Zweifel. Wenn du offen bist können dich die Zweifel weiter bringen.
☯︎
Auch dieses hier macht m.E. krank:
Du musst nach vorne schauen“, „schau nicht, was hinter dir liegt“, „die Vergangenheit ist Vergangenheit“, …
Ich habe schon viel an mir gearbeitet, ich habe mir schon viele unschöne Gegebenheiten in meinem Leben, bzw in meiner Kindheit angesehen. Und ich habe viel geweint.
Es hilft enorm, die alten Wunden zu öffnen, anzusehen, und zu sehen was sie brauchen um zu heilen. Und diese Phase kann sehr schmerzen und traurig machen. Aber ich finde diese Phasen sehr wichtig. Denn nur so sehe ich, was die Wunden für die Heilung brauchen. Wenn du weißt, was die Wunden für die Heilung brauchen, kannst du die Heilung eingeleiten. Mit was auch immer die Wunde braucht. Gesehen werden, wertschätzen – denn sie gibt es. Alleine die Verletzungen wertschätzen leitet – zumindest bei mir – die Heilung ein.
Dr. Wilfried Reuter, ein Buddhist, ein Dharmalehrer, Notarzt, Gynäkologe und Psychologe sagte mal auf einem Retreat:
Zitat: „So wie ein Chirurg eine Wunde aufmacht um zu sehen, was sie braucht zum Heilen, ist es auch wichtig, psychische Wunden zu öffnen, um sehen zu können, was sie für die Heilung brauchen.“
Hier ein Link zu diesem unglaublichen Menschen.